Energieeffiziente Logistik

Energieeffiziente Logistik

Nachhaltige Infrastruktur
In Köln-Niehl entwickelt die Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) ein logistisches Großprojekt. Durch die Erweiterung des Terminals für den Kombinierten Verkehr, allgemein auch als Terminal Nord bekannt, wird hier ein nachhaltiger Warenumschlagplatz ausgebaut, der nicht nur Güterzüge effizienter abfertigt, sondern die Wirtschaftskraft der gesamten Stadt stärkt.

Teilen j k l

Der Mann, der heute die Arbeiten für die technischen Anlagen auf dem Gelände beaufsichtigt, kennt das Projekt schon seit Anbeginn und hat einen besonderen Anteil daran, dass dort demnächst insgesamt drei gigantische Portalkräne besonders energieeffizient arbeiten. Seit 2005 ist Eugen Neigum bereits bei der HGK AG und der HGK-Beteiligung RheinCargo beschäftigt. Er kennt sich mit dem Thema Kräne schon seit seiner Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik in der Kranwerkstatt im Niehler Hafen aus.

Im anschließenden Studium zum Elektrotechnik-Ingenieur tüftelte er dann an seiner Idee, wie diese riesigen Umschlagskräne für Container zukünftig energieeffizienter arbeiten könnten. „Wenn die Kräne ihre Last absenken, wird die potenzielle Energie der Last in kinetische Energie umgewandelt. So entsteht die Bremsenergie, die normalerweise fast ungenutzt ins Stromnetz abgegeben wird. Ich habe ein Modell entwickelt, wie man diese Energie zurückgewinnen und speichern kann“, erklärt der heutige Projektleiter.

DATEN-CHECK

Ladeeinheiten

LADEKAPIZITÄT PRO JAHR

Mit der Fertigstellung des Moduls A des KV-Nord hat sich die Umschlagskapazität seit Gründung und erster Inbetriebnahme mehr als verdreifacht.

140.000
120.000
100.000
80.000
60.000
40.000
20.000
0
2015
2020

In seiner Diplomarbeit 2012 entwickelte er dafür ein technisches Konzept, bereits ein Jahr später konnte er seine Idee bei der Neuausschreibung des ersten Krans des Terminals Nord direkt in die Tat umsetzen.

Sieben Jahre später verantwortet Neigum als Projektleiter nun die Umschlagsanlagen am KV-Terminal Köln-Nord. Vor kurzem wurde die dritte und letzte Kranbrücke der ersten Baustufe des Terminals geliefert und aufgebaut. Nach nur zwei Tagen stand die mehrere hundert Tonnen schwere, 21,5 Meter hohe Anlage. Neigum ist begeistert: „Das technische Konzept unserer Kräne ist in Deutschland einzigartig“, berichtet er. „Wir können sogar davon ausgehen, dass es die einzigen Kräne weltweit sind, die mit dieser Technik Energie speichern.“ Die zwischenzeitlich gespeicherte Energie wird beim Abbremsen des Massenschwungrads wieder an den Motor des Krans abgegeben. So fließt kaum Energie ungenutzt ins Netz, sondern wird direkt im Kran eingesetzt.

Wegweisend für die komplette Region

Mit dem 15 Hektar großen Güterzentrum der HGK entsteht ein modernes Terminal für den Kombinierten Verkehr, von dem aus Logistik-Ströme für die gesamte Region nachhaltig gesteuert werden. Die Umschlaganlage liegt verkehrsgünstig an der Autobahnanschlussstelle Köln-Niehl und ist Teil des Industrieparks Nord.

Insgesamt investiert die SWK-Tochtergesellschaft HGK über 50 Millionen Euro in die wichtige Drehscheibe für Handel und Logistik, die in den kommenden Jahren sowohl die Warendistribution als auch den Warenverkehr in der Stadt maßgeblich vorantreiben soll. Auch die Bundesrepublik Deutschland fördert das Projekt.

Masterplan Schiene

Wie wichtig die Investition in ein neues Terminal ist, zeigt sich auch mit Blick auf die Verkehrsdichte. Der steigende Güteraustausch im europäischen Binnenmarkt führte zuletzt zu immer mehr Verkehr auf den Straßen. Die Folgen sind allenthalben spürbar: verstopfte Straßen und Autobahnen, zunehmende Emissionsprobleme in den Städten. Diese Fehlentwicklung wird zunehmend erkannt, und die Politik versucht, mit Förderinitiativen und Investitionen in die Schienennetze und Wasserstraßen gegenzusteuern.

»Das technische Konzept unserer Kräne ist in Deutschland einzigartig.«

Eugen Neigum,
Projektleiter Umschlaganlagen am KV-Terminal Köln-Nord

Dafür braucht es moderne und nachhaltige Umschlagterminals wie in Köln-Niehl. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat errechnet, dass – je nach Transportgut und Entfernung – 75 Prozent der Energie eingespart werden könnten, wenn man Güter per Bahn statt mit dem Lkw transportiert. Das BMVI investiert deshalb im Rahmen des „Masterplans Schiene“ in den Ausbau des Schienennetzes und der digitalen Infrastruktur. So will die Bundesrepublik den Marktanteil an der Beförderungsleistung bis zum Jahr 2030 erheblich steigern. Bislang liegt der nämlich nur bei rund 20 Prozent, gerechnet auf den gesamten Güterverkehr in Deutschland.

Nachhaltigkeit weitergedacht

Im Sommer soll der Ausbau des Moduls A am KV-Terminal abgeschlossen sein. Momentan werden die fünf vorhandenen Gleise von 350 Metern auf 700 Meter verlängert. Dank der erweiterten Gleislänge können dann Güterzüge in ganzer Länge ohne zusätzliche Rangierarbeiten effizienter, schneller und kostengünstiger abgefertigt werden.

Genau 21,5 Meter hoch sind die drei Portalkräne des KV-Köln Nord. Alleine die Motorleitungstrommel hat einen Durchmesser von über sechs Metern.

Die nächste Stufe einer effizienten Güterlogistik bis in die Stadt hinein ist bei der HGK bereits in Arbeit. „Mittelfristig sollen hier nicht nur Container umgeschlagen werden, um Lkw-Verkehre auf den Kölner Autobahnen zu reduzieren. Wir wollen auch direkt die Güterverteilung in die Stadt von hier aus effizient organisieren“, erklärt Eugen Neigum die ersten erkennbaren Vorbereitungen auf der angrenzenden Fläche. Hier arbeitet die HGK bereits an der Realisierung eines Logistikzentrums als maßgeblichem Baustein für eine integrierte City-Logistik. Ankommende Waren aus den Containern sollen dort dann gleich entladen und effizient in die Stadtviertel bzw. das Umland verteilt werden. „Das wäre dann tatsächlich ein Quantensprung in Sachen Energieeffizienz“, freut sich Eugen Neigum auf sein nächstes Projekt.

Neubau in Kalk

Einfach, sauber, besser:
der neue Betriebshof der AWB

Im Sommer 2020 eröffnet die AWB im rechtsrheinischen Kalk ihren neuen Betriebshof. Er folgt modernsten Standards – und soll als Blaupause für die anderen Standorte dienen.

Nach fast drei Jahren Planungs- und Bauzeit ist es im Sommer endlich so weit: Die AWB eröffnet ihren neuen Betriebshof in der Christian-Sünner-Straße in Köln-Kalk. Auf 36.000 Quadratmetern vereint er die komplette rechtsrheinische Logistik der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung unter einem Dach. Auch der Winter- und Containerdienst, eine Werkstatt und die allgemeine Verwaltung finden auf den zwei Grundstücken Platz.

Alle Geschäftseinheiten arbeiten dann gemeinsam auf einem großen Campus. Im Sozial- und Verwaltungsgebäude kommen die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Straßenreinigung unter, das Call-Center für Kunden sowie der IT-Support. Im Werkstattgebäude befinden sich die Waschhalle mit vier Waschplätzen, sieben Werkstattplätzen und das Materiallager. In der Salzhalle lagern 5.000 Tonnen Salz, es gibt zwei Silos und drei Soletanks.

Der neue Betriebshof, der den Standort Gießener Straße in Deutz ablöst, dient als Blaupause für zukünftige Neubauvorhaben. In Kalk folgt die AWB nämlich modernsten Nachhaltigkeitsstandards: Dank einer biologischen Wasseraufbereitungsanlage wird Brauchwasser zurückgewonnen und beispielsweise für Fahrzeugwäschen eingesetzt. Auch das Regenwasser wird vom Dach direkt in den natürlichen Wasserkreislauf geleitet. Öffnet jemand ein Fenster in den Büros, schaltet sich automatisch die Heizung ab. Strom kommt über die eigene Fotovoltaikanlage.

1,100

Tonnen Stahl sind in dem neuen Betriebshof
der AWB verbaut.

160

Fahrzeuge und 50 Aufbauten finden in der Fahrzeughalle
und auf dem Betriebshof Platz.

202

Arbeiter und Ingenieure schufen zusammen in
Rekordzeit den neuen Betriebshof.