RheinEnergie AG Geschäftsbericht 2021
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Im Bild von links: Birgit Lichtenstein, Dr. Dieter Steinkamp, Susanne Fabry, Achim Südmeier
Foto von Birgit Lichtenstein, Dr. Dieter Steinkamp, Susanne Fabry, Achim Südmeier

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,

das Berichtsjahr 2021 war auf vielen Ebenen ein herausforderndes. Das Marktumfeld der RheinEnergie war weiterhin geprägt von hohem Wettbewerbsdruck. Zum Jahresende kamen ungewöhnlich dynamische Preisentwicklungen an den Energiebörsen hinzu. Die verheerenden Überschwemmungen des vergangenen Sommers, die Köln und vor allem die Region stark getroffen haben, haben uns allen einmal mehr vor Augen geführt, welch große Aufmerksamkeit und Initiative der Kampf gegen den Klimawandel weiterhin verlangt. Zudem hat die Corona-Pandemie unseren Alltag das ganze Jahr über beeinträchtigt und tut dies bis heute.

Angesichts dieser vielfältigen Herausforderungen freut es uns sehr, dass wir angesichts des außerordentlich herausfordernden Marktumfelds erneut ein sehr gutes Ergebnis vorlegen können. Dies bestärkt uns in der Überzeugung, dass der von uns eingeschlagene Weg der Richtige ist. Es belegt zugleich, dass unsere Strategie mit einer Präsenz über verschiedene Wertschöpfungstiefen auch über längere Krisenphasen hinweg funktioniert. Die tragischen Kriegsereignisse in der Ukraine im Frühjahr des Erscheinungsjahres – und außerhalb des Berichtszeitraumes – haben uns jedoch deutlich unsere Abhängigkeit von Lieferländern vor Augen geführt. Die Beschaffungsrisiken dämpfen unsere Ergebnisprognosen für 2022. Wir sind aufgefordert, aus diesen Entwicklungen nachhaltige Konsequenzen für unsere Unternehmenspolitik zu ziehen. Die Suche nach alternativen und möglichst nachhaltigen Energiequellen werden wir forcieren. Dies wird seinen Niederschlag in der Strategie für die kommenden Jahre finden.

Wir wollen weiterhin der führende Energie- und Wasserversorger für die rheinische Region sein. Dafür richten wir unser Unternehmen systematisch auf die Zukunft aus – auch unter den widrigen Umständen der vergangenen Corona-Jahre und angesichts der aktuellen Herausforderungen für den Energiemarkt.

Wir haben bereits frühzeitig zu Beginn der Corona-Pandemie ein Hygienekonzept erarbeitet. Dieses konnten wir im Berichtsjahr erfolgreich umsetzen und weiterentwickeln, so dass wir für unsere Belegschaft auch im zweiten Corona-Jahr einen hohen Infektionsschutz sichergestellt haben. Besonderes Augenmerk galt und gilt weiterhin den kritischen Infrastrukturen, also der Trinkwasser- und Energieversorgung in den Wasser- und Kraftwerken, in der Leitstelle sowie bei der Entstörung. Zusätzlich zu den etablierten umfassenden Schutzmaßnahmen, darunter Schichtplananpassungen und Arbeit im Homeoffice, konnten wir all unseren Beschäftigten über die Stadt Köln und unseren Betriebsärztlichen Dienst die Möglichkeit bieten, sich impfen zu lassen. Mit diesen unterschiedlichen Vorkehrungen und einem gemeinschaftlich umsichtigen Verhalten ist es gelungen, die Infektionsrate in der Belegschaft niedrig zu halten. Unseren Aufgaben als Infrastrukturdienstleister für Trinkwasser und Energie konnten wir stets nachkommen und dabei weiterhin wirtschaftlich agieren. Das verdanken wir auch einem ungewöhnlich hohen Engagement unserer Beschäftigten.

Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Köln und die Region jederzeit zuverlässig mit Energie zu versorgen. Dabei nehmen wir unsere besondere Verantwortung als Akteur der Energiewende sehr ernst. Die Dringlichkeit der Transformation unserer Energieerzeugung und -versorgung treibt uns seit vielen Jahren an. Dementsprechend haben wir einen noch zügigeren, weitreichenden Umbau unserer Energieversorgung beschlossen.

Die Vereinbarung: Bis zum Jahr 2035 gestalten wir unsere Wärme- und Stromversorgung klimaneutral. Diesen Weg gehen wir gemeinsam mit der gesamten Stadtgesellschaft und bringen dazu unsere hohe energiewirtschaftliche Expertise ein. Denn die klimapolitischen Ziele der Energiewende müssen mit unbedingter Versorgungssicherheit einhergehen und damit der Daseinsvorsorge gerecht werden.

Seit Januar 2022 versorgen wir alle Privat- und Gewerbekunden ausschließlich mit Ökostrom. Allein damit sparen wir 650.000 Tonnen CO2 pro Jahr zusätzlich ein. Unsere wichtigsten weiteren Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität sind der massive Ausbau der erneuerbaren Energien, die Umgestaltung unserer Heizkraftwerke sowie der Aus- und Umbau der Fernwärmenetze. Der Sektor Wärme spielt hier eine Schlüsselrolle und ist erfolgskritisch für das Erreichen der gesteckten Ziele: Es muss und wird uns mit vereinten Kräften gelingen, diesen Sektor ebenso zu dekarbonisieren wie die anderen Bereiche der Energieversorgung.

Bis zum Jahr 2030 soll sich unser Portfolio an erneuerbaren Energien nahezu verdoppeln. Dafür stellen wir bis 2025 mindestens 100 Millionen Euro aus eigenen Mitteln bereit – zusätzlich zu den 375 Millionen Euro, die wir in den vergangenen Jahren in diesem Bereich bereits investiert haben. Im Kölner Raum haben wir eine Solaroffensive gestartet, um Dach- und Freiflächen in privater, gewerblicher und öffentlicher Hand zu erschließen. Dabei arbeiten wir Hand in Hand mit der Stadt Köln und der Handwerkskammer.

Um unsere Wärmeversorgung bis 2035 vollständig zu dekarbonisieren, setzen wir vor allem auf Kraft-Wärme-Kopplung mit grünem Wasserstoff, den wir ab dem Jahr 2030 in unseren Anlagen einsetzen wollen. Erste Tests laufen bereits. Mit der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) und Shell haben wir eine enge Zusammenarbeit vereinbart, um Möglichkeiten für den Aufbau einer regionalen Wasserstoffwirtschaft in der rheinischen Region auszuloten.

Auch im Verkehrssektor verfolgen wir verschiedene Projekte, um E-Mobilität und Mobilitätsnetzwerke voranzutreiben sowie CO2-Emissionen zu verringern. Neben dem Bau von 1.400 weiteren E-Ladepunkten in Köln in den kommenden Jahren vernetzen wir Verkehr und nachhaltige Energie mit unserem Projekt zur „Multimodalen Lademodul-Integration“ (MuLI). In Kooperation mit den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) und Ford wird dabei unter anderem die Bremsenergie der Stadtbahnen genutzt, um E-Busse der KVB und Autos mit Elektroantrieb zu laden.

Für unsere künftige Positionierung auf dem Energiemarkt im Rheinland ist unsere strategische Partnerschaft mit unserem Anteilseigner Westenergie von herausragender Bedeutung. Mit der „Rheinlandkooperation“ werden wir einen weiteren entscheidenden Schritt in der energiewirtschaftlichen Zusammenarbeit im Rheinland gehen, der über das bisherige regionale Modell der RheinEnergie deutlich hinausführt. Gemeinsam sollen Synergiefelder und Zukunftsthemen ausgelotet werden, etwa zur vernetzten Mobilität und Quartiersentwicklung. Wir wollen Elemente der „Smart City“ entwickeln. Und wir planen eine vernetzte regionale Zusammenarbeit mit Produkten und Services rund um Energie, Trinkwasser und Infrastruktur.

Seit Mitte 2021 bieten wir Strom- und Gaslieferungen für Privat- und Gewerbekunden auch bundesweit an – unter der direkten Marke RheinEnergie. Dabei ist das Internet unser wichtigster Vertriebskanal geworden.

Die strukturellen Veränderungen und der fortschreitende Wandel unseres Unternehmens zum klimaneutralen Energiedienstleister der Zukunft wirken sich auch in der Führungsebene aus. Im Berichtsjahr hat sich der Vorstand der RheinEnergie verkleinert. Er arbeitet seither in neuen Strukturen und in paritätischer Besetzung. Veränderte Arbeitsprozesse in flexiblen Organisationsformen und die Digitalisierung werden in den kommenden Jahren eine Schüsselrolle spielen, wenn es darum geht, unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen.

Bislang haben wir uns im Prozess des Wandels unserer Branche und bei rasanten Veränderungen in der Weltwirtschaft erfolgreich entwickelt. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unserer weitsichtigen und erwiesenermaßen krisenfesten Strategie auch im künftigen volatilen Umfeld erfolgreich agieren.

Köln, im Juni 2022 

Dr. Steinkamp

Fabry

Lichtenstein

Südmeier