KÖLNBÄDER GmbH Geschäftsbericht 2021
Interview KölnBäder

»Unsere Schwimmbäder gehören zu den Grundpfeilern eines modernen Großstadt-Freizeitangebots.«

KURZINTERVIEW

Claudia Heckmann und Dirk Kolkmann,
Geschäftsführer der KölnBäder GmbH, erklären, wie neue Anforderungen an die Nachhaltigkeit und ein verändertes Freizeitverhalten den Bäderbetrieb beeinflussen – und was dabei erhalten bleibt.

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Unsere Gesellschaft und unser Alltag haben sich verändert. Vieles ist im Fluss. Allerdings ist ein Schwimmbecken ein Schwimmbecken. Wie sehr lässt sich Ihr Kernsegment transformieren?

Dirk Kolkmann: Veränderungen hat es immer gegeben – solche von außen, an die wir uns anpassen müssen, und solche, die wir selbst voranbringen können. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir leben, und eine stetige Herausforderung an eine moderne Unternehmensführung. Wenn ich mit unseren Fachbereichen für den Bäderbetrieb und das Gebäudemanagement spreche, wird schnell deutlich, dass wir bei der äußeren Wahrnehmung eines Schwimmbeckens nicht den technischen, baulichen, personellen, vertrieblichen und organisatorischen Aufwand für dessen Bereithaltung vergessen dürfen. Anforderungen an Nachhaltigkeit, wie zum Beispiel Energieeffizienz und Ressourcenschonung sowie Digitalisierung, sind dabei zusätzliche Treiber. Die vielfältigen weiteren Angebote unseres Hauses kommen hinzu. Und das Schwimmbecken ist letztlich die Quintessenz unseres Beitrags für die Daseinsvorsorge. Unsere Schwimmbäder gehören zu den Grundpfeilern eines modernen Großstadt-Freizeitangebots, das inzwischen weitaus mehr als das reine Schwimmen umfasst. Jedes Jahr mobilisieren wir Millionen von Gästen und schaffen Orte mit hoher Anziehungskraft für eine aktive und niedrigschwellige Förderung von Gesundheit, Spaß und Gemeinschaft und zur wichtigen und frühen Erlernung des Schwimmens. Unser Angebot muss dem Bedarf der Nutzer entsprechen und Bedarfsänderungen müssen wir folglich in unserem Angebot nachvollziehen. Ich bin mir sicher, dass in Summe hier ein weites Feld für Innovationen besteht. Das geht nicht alles sofort zu 100 %, aber es geht Schritt für Schritt.

Claudia Heckmann: Sicherlich lässt sich das Schwimmen nicht auf dem Trockenen substituieren, das haben wir alle in den zurückliegenden Monaten der Lockdowns erfahren. Die Parks waren voll mit Spaziergängern und Joggern – Schwimmen indes war phasenweise nicht möglich, und unsere Bäder sind von der Stadtgesellschaft in besonderem Maße vermisst worden. Auch hat es viel Dynamik in der Arbeitswelt und dem beruflichen Alltag vieler Mitarbeitenden gegeben. Plötzlich gab es Kurzarbeit, zugleich wurden Videokonferenzen und das mobile Arbeiten selbstverständlicher. Allerdings lässt sich unsere Beckenaufsicht nicht aus dem Homeoffice leisten und die Überwachung der technischen Anlagen erfordert Präsenz. Auch hier mussten wir abwägen und einen eigenen Weg finden. Der persönliche Kontakt zum Badegast wird ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit bleiben. Das Schwimmenlernen muss im Schwimmbecken erfolgen, um die Bewegung im Wasser zu erlernen und die nötige Sicherheit zu gewinnen.

»Wir möchten die großen Freibad-Standorte ökologisch aufwerten und beispielsweise um neu gestaltete Grünflächen, die die Artenvielfalt fördern, erweitern.«

Claudia Heckmann,
Geschäftsführerin der KölnBäder GmbH

Wie geht es für die Bäder weiter? Werden Sie manche Dinge künftig anders anbieten als bisher? Was bleibt, was kommt?

Claudia Heckmann: Das Thema E-Ticket wird bleiben. Wir haben einen Weg gefunden, auch unsere Stammgäste mitzunehmen, und bieten seit 2021 ergänzend eine digitale Vorteilskarte an. Damit können E-Tickets rabattiert gekauft werden, es handelt sich um ein Online-Guthaben im persönlichen Account. Dennoch greifen die bewährten Vorteile der KölnBäder-Vorteilskarte [vgl. Info-Kasten]. Auch wird das mobile Arbeiten – da wo möglich in einem Rahmen, der passt – beibehalten, da es Flexibilität fördert und gut funktioniert. Wir möchten die großen Freibadstandorte ökologisch aufwerten und beispielsweise um neu gestaltete Grünflächen, die die Artenvielfalt fördern, erweitern. Hier bereiten wir im Rahmen einer Kooperation mit dem Grünflächenamt ein Projekt unter Beteiligung örtlicher Schulen vor. Im Saunagarten in der Groov haben wir bereits alte Apfelbaumsorten angepflanzt. Mitten in der Kölner City summen Bienen. Auf dem Dach unseres Agrippabades [vgl. Info-Kasten] leisten ganze Völker ihren Beitrag zur Artenvielfalt und produzieren fleißig Honig.

Dirk Kolkmann: Manches kommt, vieles bleibt. Die Pandemie hat uns die Bedeutung unseres Angebotes noch einmal vor Augen geführt. Die Kernthemen Freibad, Eislaufen, Fitness, Saunabaden und natürlich das Schwimmen haben viele Fans und funktionieren für sehr unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen. Ich brauche nur meine Badebekleidung und ein E-Ticket und schon kann ich dabei sein. Dieses Angebot hat immer Konjunktur, davon bin ich überzeugt. Zudem bleiben die KölnBäder als Unternehmen kontinuierlich in Bewegung und planen sinnhafte Innovationen vor allem dort, wo es sich auch räumlich anbietet. Hier schauen wir uns jeden einzelnen Standort genau an. Macht hier ein Cabriodach Sinn, kann hier eine Photovoltaikanlage entstehen, sind hier gute Bedingungen für ein Angebot wie das trans* und inter* Schwimmen? Wo können wir Babyschwimmen anbieten? Nicht alles muss täglich überall stattfinden und passt für jedes Bad.

»Investitionen in den baulichen und technischen Bestand zahlen sich mittel- und langfristig aus.«

Dirk Kolkmann,
Geschäftsführer der KölnBäder GmbH

Ist aufgrund steigender Energiepreise die Zukunft der Bäder in Gefahr?

Dirk Kolkmann: Die aktuelle Preisschraube auf dem Energiemarkt ist für uns ein Thema, definitiv. Auch die Preisentwicklung zum Beispiel im Baubereich macht uns zu schaffen. Der unvermeidbare Kostenaufwand für die Bestandserhaltung unserer Betriebsstätten steigt in allen Bereichen – das merken wir und das zehrt an den verfügbaren Mitteln für Innovationen und Erweiterungen. Hier müssen wir als Gesellschaft gemeinsam mit der Stadt Köln perspektivisch abwägen, was uns wichtig ist. Aber der Bedarf für unsere Schwimmbadstandorte ist unbestreitbar und von hoher Relevanz für das Gemeinwohl in der Stadt Köln. Investitionen in den baulichen und technischen Bestand zahlen sich mittel- und langfristig aus. Das sind Transformationen, die oft nur hinter den Kulissen stattfinden, zum Beispiel Investitionen in eine bessere Bädertechnik, die Förderung von Brunnenwasser, den Einbau von Edelstahlbecken, den Bezug von Ökostrom, den Ausbau von Photovoltaik. Es sind viele einzelne, große und kleine Maßnahmen, die wir ergreifen wollen, um unsere Betriebsstätten zukunftssicher, attraktiv und bedarfsgerecht zu gestalten, so wie die Kölner Bürgerinnen und Bürger es verdienen.

Claudia Heckmann: Alle Maßnahmen dienen dazu, die Zukunft der Bäder zu sichern. Neben Investitionen in den Bestand und die Effizienz der Bäder arbeiten wir aktiv an neuen Konzepten, um den gesellschaftlichen Anforderungen an die Bäder zu entsprechen und unsere Standorte zukunftsweisend auszurichten. Hier konkretisiert sich unsere Planung für eine Schwimm-Kita am Wahnbad. Das ist ein sehr innovatives Projekt, ebenso wie unser „Kids-Spa“ im Zollstockbad. Beides dient dazu, Kinder frühzeitig an die Bewegung im Wasser heranzuführen. Hierfür konnten wir öffentliche Fördergelder akquirieren. Auch das zeigt mir, dass wir auf einem Weg sind, der wertvoll für die Stadtgesellschaft ist und den die Geschäftsführung – Schritt für Schritt und sehr kontinuierlich – weitergehen wird.

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