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Häfen und Güterverkehr Köln AG

Geschäftsbericht 2017

Prognose-, Chancen- und Risikobericht

Die Weiterentwicklung des Unternehmensverbundes steht im Mittelpunkt der strategischen Überlegungen für die nächsten fünf Jahre. Das „Konzept HGK 2022“ sieht vor, dass organisches Wachstum, Kooperationen, Zukäufe und die Entwicklung innovativer und wertschöpfender Logistikleistungen zur Steigerung der Umsätze sowie zur Verbesserung der Ergebnisse und damit zur Sicherung der derzeit insgesamt ca. 1.500 sowie zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen.

Ein elementarer Baustein in diesem Konzept ist die Entwicklung des Industrieparks Köln Nord. Die Freiflächen im Industriepark Nord schließen unmittelbar an das bestehende KLV-Terminal der HGK an. Das Terminal wurde mit Zustimmung auch des Aufsichtsrates der HGK und mithilfe öffentlicher Fördergelder in einer ersten Ausbaustufe vor wenigen Jahren ausgebaut und in Betrieb genommen. Die Erweiterung des Terminals um zunächst eine weitere Ausbaustufe ist planerisch abgeschlossen und soll Ende 2019 in die erweiterte Inbetriebnahme gehen.

Nach HGK-Planungen soll im Zuge des Ausbaus ein mit dem Terminal verbundenes Logistikzentrum entstehen. Durch den Ankauf weiterer angrenzender Flächen und die Entwicklung dieser Flächen würde die HGK-Gruppe in die Lage versetzt, ihre logistischen Aktivitäten weiterzuentwickeln und so ihre Zielsetzung einer nachhaltigen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und der Sicherung der Arbeitsplätze umzusetzen. Für die verladende Wirtschaft in der Region Köln würde sich dadurch eine Optimierung der Transport-, Handlings- und Bearbeitungskosten ergeben, was ein klarer Standort- und Wettbewerbsvorteil ist. Vorgesehen ist die Errichtung mehrerer Hallen für eine wertschöpfende Logistikkette. Als Betreiber kommt unter anderem der Logistikanbieter neska (Tochtergesellschaft der HGK) in Frage. Nach Fertigstellung der Ausbaustufen könnten mit der Nutzung des KLV-Terminal Nord bis zu 250.000 Lkw-Transporte durch die Innenstadt bzw. über den Autobahnring entfallen. Die HGK erwartet, dass neben der Entlastung der Kölner Straßen zahlreiche dauerhafte, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze durch die Entwicklung der Flächen im Industriepark Nord zusätzlich entstehen könnten. Das HGK-Engagement hat einen doppelten finanziellen Nutzen für die Stadt Köln. Neben der Entrichtung des Kaufpreises liefert die HGK auch einen stabilen Beitrag zur Gewinnausschüttung des Stadtwerke Köln Konzerns an den städtischen Haushalt. Der so entstehende Industriepark Köln Nord mit dem KLV-Terminal als Herzstück ist damit Teil einer infrastrukturellen Daseinsvorsorge für Köln.

Die HGK hat den aktienrechtlichen Anforderungen entsprechend ein Frühwarnsystem für bestandsgefährdende Risiken implementiert. In der Leitlinie Risikomanagement werden die wesentlichen Grundsätze und Verantwortlichkeiten, insbesondere Termine und Schwellenwerte für das Reporting, festgelegt. Der Bericht zur Risikoinventur beinhaltet Art, Struktur und Steuerungsgrad der Risiken nach Bereichen.

Durch die Implementierung des Risikomanagementsystems lassen sich zukünftige Risiken frühzeitig erkennen und gegensteuernde Maßnahmen zeitnah und gezielt ergreifen. Dabei werden identifizierte Risiken analysiert und dokumentiert sowie nach Bedeutung und Eintrittswahrscheinlichkeit eingestuft.

Die Schwerpunkte der Risikostruktur sind die Finanz-, Markt- und Strategierisiken. Das Risikomanagement-System „r2c – Risk to Chance“ innerhalb des Stadtwerke Köln Konzerns zur aktiven Unterstützung des konzernweiten Risikomanagement-Prozesses wird von der HGK seit 2014 eingesetzt.

Wir beachten den Public Corporate Governance Codex der Stadt Köln 9 und haben das konzernweit geltende Compliance-Management-System implementiert. Hierzu berichten wir regelmäßig dem Aufsichtsrat; Verstöße oder besondere Vorkommnisse wurden im Berichtsjahr nicht festgestellt. Wir sind einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet und berichten – orientiert an den Prinzipien des UN Global Compact – in einem Nachhaltigkeitsbericht über die Fortschritte in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und soziale Themen.

Nach einem Anstieg des globalen BIP von 2,9 % im Jahr 2017 erwartet die OECD für das Jahr 2018 eine weitere Anhebung auf 3,3 %. Allerdings bleiben die Unwägbarkeiten beachtlich (US-Administration, Brexit, Russland, Schwellenländer, China). Hieraus erwachsen für die HGK und ihre Tochter- und Beteiligungsunternehmen in der Logistikbranche Chancen und Risiken auf eine Teilhabe am gegebenenfalls zunehmenden Warenaustausch.

Nach der Ausgliederung des Eisenbahnverkehrs und des Hafenbetriebs auf die RheinCargo, an der die Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH) und die HGK jeweils die Hälfte der Geschäftsanteile halten, werden Chancen und Risiken dieser Geschäftsbereiche nur noch mittelbar spürbar.

Die Kooperation von NDH und HGK ermöglicht die effizientere Nutzung der Umschlagflächen in den Häfen und eine Ausweitung des Angebots von Eisenbahnverkehrsleistungen. Mit einem regionalen Flächenmanagement, einer internationalen Bahnanbindung und verkehrsträgerübergreifendem logistischem Know-how wird die RheinCargo ein erfolgreicher, marktaktiver Anbieter von Umschlags- und Transportleistungen.

Auch die Häfen der RheinCargo unterliegen konjunkturellen Nachfragerückgängen und den Risiken aus witterungsbedingten Einschränkungen durch Hoch- und Niedrigwasser sowie Eis- oder Havarie-bedingten Wasserstraßensperrungen. Im Zuge der Energiewende nimmt der Import von Kraftwerkskohle ab. Auch die Auslastung und Performance von Kohlekraftwerken haben im Jahr 2017 deutlich nachgelassen. Somit wirkt sich die Energiewende risikohaft auf Transport- und Umschlagmengen aus.

Risiken der Eisenbahn ergeben sich neben konjunkturellen Schwankungen aus einem Wettbewerbsumfeld, in dem nicht nur die Verkehrsträger miteinander konkurrieren, sondern auch die großen Staatsbahnen international Marktanteile hinzugewinnen wollen. Dies hat in der Vergangenheit zu einem verstärkten Preiswettbewerb und einer Verringerung der Zahl der Eisenbahnverkehrsunternehmen geführt; ehemals selbstständige nicht-bundeseigene Eisenbahnen wurden von den Staatsbahnen in Deutschland und den angrenzenden Ländern übernommen. Die zunehmende Marktbedeutung kostengünstiger Lkw-Flotten aus den neuen EU-Staaten trägt weiterhin zu den Marktrisiken bei. Die massive Senkung der Dieselpreise bei gleichzeitiger Erhöhung der EEG-Umlage verringert die Wettbewerbsfähigkeit der Eisenbahn gegenüber dem Lkw massiv.

Aufgrund von Arbeitskräfteknappheit können nicht alle von Kunden zusätzlich nachgefragten Spot-Zugfahrten durchgeführt werden. Hierdurch können Umsatzeinbußen oder Zusatzkosten durch Kurzfristdispositionen entstehen. Neben verstärkter Ausbildung, Fortbildung und Akquirierung von eigenem Personal auch für außerregionale Standorte und Zugfahrleistungen nimmt die RheinCargo weitere Personaldienstleister mit Triebfahrzeugführern hinzu.

Dem Risiko von Betriebsstörungen begegnet die RheinCargo generell mit systematischer Wartung und dem Einsatz qualifizierter Mitarbeiter sowie mit kontinuierlicher Qualitätssicherung und Verbesserung ihrer Prozesse. Der Natur des Eisenbahngeschäfts als eines offenen Systems entsprechend, können bestimmte Faktoren (wie Unfälle, Anschläge oder auch Diebstähle), die sich potenziell negativ auf den Betriebsablauf auswirken, von der RheinCargo allerdings nur bedingt beeinflusst werden; hier bemüht sich die RheinCargo um eine Minimierung möglicher Auswirkungen.

Die HGK profitiert unmittelbar von der meist langfristigen Vermietung von Grundstücken an Gewerbe­t­reibende, die die trimodale Infrastruktur der Häfen zum eigenen Güterumschlag nutzen. Hieraus resultieren für die HGK langfristig planbare Vermietungserlöse, die kurzfristigen konjunkturellen Entwicklungen nur eingeschränkt ausgesetzt sind. Durch die Beteiligung an der HTAG und der neska-Gruppe erweitert die HGK ihre Wertschöpfungstiefe und partizipiert neben den Umschlags- und Lagerleistungen auch an den vielfältigen Added-Value-Diensten wie zum Beispiel Materialbehandlung von Schüttgütern, Kommissionierung und Konfektionierung von Stückgütern oder dem Be- und Entladen von Containern mit Gütern aller Art.

Die HGK investiert in ein Güterterminal im Kölner Norden und beabsichtigt die Erweiterung des Hafens Köln-Godorf um ein viertes Hafenbecken.

Das KLV-Terminal im Kölner Norden wird von der HGK mit öffentlichen Fördermitteln in fünf Baustufen realisiert. Die erste Baustufe (Modul A 1) wurde im ersten Quartal 2015 fertiggestellt und ging anschließend in Betrieb. Die Fertigstellung des Moduls A 2 ist für 2019 geplant.

Die Erweiterung des Godorfer Hafens ist von verlässlichen politischen Entscheidungen und der Erteilung weiterer behördlicher Genehmigungen abhängig. Durch die Investition in Terminals und Hafenanlagen verfolgt die HGK die Chance, vom wachsenden Umschlagvolumen, insbesondere im Containerbereich, zu profitieren. Wegen der erforderlichen Genehmigungsverfahren ist mit der Fertigstellung der Hafenerweiterung nicht vor 2025 zu rechnen.

Die HGK hat ihre zur städtebaulichen Entwicklung benötigten Grundstücke des Deutzer Hafens an moderne stadt Gesellschaft zur Förderung des Städtebaues und der Gemeindeentwicklung mbH veräußert. Bis zum 31. Dezember 2020 bleibt der HGK/RheinCargo ein Nießbrauchrecht vorbehalten, so dass die im Deutzer Hafen ansässigen Unternehmen bis dahin einen neuen Standort finden können. Die RheinCargo strebt an, den Unternehmen Flächen, die in der Verwaltung der RheinCargo liegen, zur Verfügung zu stellen.

Risiken resultieren aus der Umwandlung von Hafen- und Terminalflächen im Rahmen städtebaulicher Entwicklungen. Neben dem dauerhaften Wegfall von Miet- und Pachterlösen ist es möglich, dass erhöhte Erschließungskosten im Überschwemmungsgebiet des Rheins sowie die Verpflichtung zur Beseitigung von Altlasten Erlöse aus der umwandlungsbedingten Veräußerung von Hafengrundstücken aufzehren und somit die Vermögenslage der HGK negativ beeinträchtigen. Weiterhin können die langfristigen Entscheidungs- und Planungszeiträume frühzeitig zu einer Erosion der Vermietungssituation führen, weil den gewerblichen Nutzern der Häfen Zukunftsperspektiven verloren gehen. Ein Rückgang von Umschlagflächen kann sich auch nachteilig auf das Ergebnis der RheinCargo auswirken und den Beteiligungsertrag der HGK mindern. Weitere Risiken ergeben sich unter Umständen aus der gesetzlichen Beschränkung von Baumaßnahmen in Überschwemmungsgebieten durch das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und das Landeswassergesetz NRW (LWG), soweit sie auch für die Entwicklung von Häfen Restriktionen entfalten.

Das historisch als Anschluss an das Netz der Deutschen Bahn konzipierte Eisenbahnnetz der HGK für rund 60 Industrieunternehmen in der Region erfährt derzeit keine kostendeckende Auslastung. Eine Erhöhung der Trassenentgelte unter Berücksichtigung der Vollkosten führt zur Unwirtschaftlichkeit des Eisenbahnverkehrs im Wettbewerb zum Straßengüterverkehr. Das 98 km lange Netz wird nicht nur für den Güterverkehr, sondern in erheblichem Umfang auch für den Öffentlichen Personennahverkehr genutzt und dient der kommunalen Daseinsvorsorge. Das Allgemeine Eisenbahngesetz erlegt dem Betreiber der Schieneninfrastruktur die Verpflichtung auf, die Eisenbahnanlagen in betriebssicherem Zustand zu erhalten. 

Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrsträgers Schiene ist eine ausreichende Mittelverfügbarkeit für den systematischen Neubau, Ausbau und die Instandhaltung des Bestandsnetzes erforderlich. Insoweit besteht das Risiko der fehlenden Verfügbarkeit von Mitteln für die Finanzierung von Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen.

Mit der Vorhaltung der Eisenbahninfrastruktur erbringt die HGK Dienstleistungen in einem regulierten Markt. Gegenstand der Regulierung sind unter anderem die von der HGK verwendeten Preissysteme und Nutzungsbedingungen. Hier bestehen Risiken der Beanstandung und des Eingriffs. Maßnahmen, die die Erzielung einer angemessenen Rendite im Geschäftsfeld der Eisenbahninfrastruktur gefährden oder gar verhindern, erschweren eine unternehmerische Steuerung dieser Aktivitäten und können Infrastrukturinvestitionen beeinträchtigen.

Es können sich auch Risiken aus einer möglichen Rückforderung von erhaltenen Investitionszuschüssen ergeben.

Besonders der Bereich Netz ist angesichts umfangreicher Investitionen großen Risiken ausgesetzt, ein Ziel und Opfer von Korruption, Kartellabsprachen oder Betrug zu werden. Ein Beispiel hierfür ist das Schienenkartell. Die HGK geht gemeinsam mit 30 weiteren Schieneninfrastrukturunternehmen gerichtlich gegen die Kartellanten vor. Die Einhaltung von geltendem Recht, Unternehmensrichtlinien und anerkannten Standards ist Aufgabe und Verpflichtung jedes HGK-Mitarbeiters. Zur Sicherstellung regelkonformen Verhaltens dient die Compliance-Organisation, die die HGK im Einvernehmen mit dem Stadtwerke Köln Konzern aufgebaut hat.

Die aktuelle Altersstruktur bei der HGK wird zukünftig einen deutlich höheren Bedarf zur Folge haben, um ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen, der infolge der demografischen Entwicklung schwieriger am Arbeitsmarkt zu decken sein wird. Damit steht die HGK in einem stärker werdenden Wettbewerb um hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte. Diesen Herausforderungen begegnet die HGK durch enge Kontakte zu Schulen und Hochschulen und die Förderung der dualen Ausbildung, insbesondere derjenigen der Europäischen Fachhochschule im Logistikmanagement.

Zusammenfassend erkennen wir gegenwärtig und in absehbarer Zeit keine den Bestand gefährdenden Einzelrisiken. Soweit Risiken ein außerordentlich hohes Schadenspotenzial aufweisen, besteht für das Eintreten lediglich eine geringe Wahrscheinlichkeit. Auch die Gesamtsumme der Risiken gefährdet nicht den Fortbestand der Gesellschaft.

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www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf20/pcgk-k__ln.pdf